Buchvorstellung in Frankfurt

Zur Frankfurter Veranstaltung über die Arbeit der Forschungsstelle NS-Pädagogik ist mittlerweile eine ausführliche Dokumentation mit Präsentationsfolien und einer dreiteiligen Videoaufzeichnung verfügbar.

Neben anderen Arbeitsfeldern, wie etwa der aktuellen Dissertation von Z. Ece Kaya zur Kolonialpädagogik in der NS-Zeit, wurde bei der Veranstaltung am 26.10. auch die zähe Debatte um Max Traeger thematisiert. Anlässlich des neu erschienenen Sammelbands „Max Traeger – Kein Vorbild“ gaben verschiedene Beiträge einen Einblick in zähe Abwehrdebatten und organisationsinterne Schikanen rund um die Debatte für eine Aufarbeitung der Geschichte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die vom ehemaligen Vorsitzenden der GEW Hamburg, Hans-Peter de Lorent, in seiner Biographie vertretene Apologie Traegers wurde dabei deutlich in Frage gestellt.

Die Veranstaltung der Forschungsstelle wurde unterstützt vom Fritz-Bauer-Institut, dem AStA der Goethe-Uni, dem Beltz-Verlag sowie dem Landesverband Hessen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

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Neuerscheinung im Oktober

Zur Debatte um Max Traeger ist der Sammelband „Max Traeger – kein Vorbild: Person, Funktion und handeln im NS-Lehrerbund und Geschichte der GEW“ herausgegeben von Micha Brumlik / Benjamin Ortmeyer erschienen.

Über den Flyer zum Buch sowie die Homepage des Beltz Verlags kann das Buch bestellt werden. Der Sammelband arbeitet die öffentliche Auseinandersetzung um die Rolle der Lehrkräfte im Nationalsozialismus und die Vergangenheit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft anhand der Auseinandersetzung um Max Traeger auf. Dabei stellen sich verschiedene Beiträge der geschichtsrevisionistischen Verteidigung von Max Traeger als angeblichem Widerstandskämpfer entgegen, wie sie zuletzt in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft verbreitet wurde. Das Buch ist mit einigen interessanten Archivmaterialien angereichert und möchte GEW-KollegInnen ermutigen, selbst auch in die Archive zu gehen und sich an der Aufarbeitung der regionalen Geschichte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu beteiligen.

Neben einem Abriss über die Chronologie der bundesweiten Auseinandersetzung, die sich im letzten Jahr durch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zog und die Debatte beim Gewerkschaftstag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, geben Buchbeiträge auch einen Einblick in die Auseinandersetzung um eine kritische Aufarbeitung der Geschichte einiger Landesverbände der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. In Bezug auf Hamburg wie auch auf Baden-Württemberg werden Konfliktlinien der Vergangenheitsbewältigung zwischen verquerer Apologetik und kritischer Erinnerungsarbeit in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beschrieben. Das Inhaltsverzeichnis lässt sich der Verlagsseite entnehmen.

„Lieber Nestbeschmutzung als Reinewaschen“

Auch in den Landesverbänden gestaltet sich die Auseinandersetzung um eine Aufarbeitung der Vergangenheit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft überaus zäh. Dies gilt zumal in Hamburg, dem Landesverband, in dem Max Traeger während des Nationalsozialismus und danach beheimatet war. Als Ergebnis einer obskuren Apologie Max Traegers und Schikane gegenüber den GEW-Studis erklärt das aktive Leitungsteam der GEW-Studis nun auf seinem Blog (Eintrag vom 25.09.2017), dass es sich entschieden hat „sämtliche Tätigkeiten in der GEW einzustellen“. Der Beitrag verlinkt auf eine ausführliche Erklärung, die das Leitungsteam dazu abgegeben hat und die sich auf dem Blog nachlesen lässt.

Auf den Rücktritt des Leitungsteams, die ausführliche Erklärung und die Forderung nach einer inhaltlichen Debatte erklärt der Vorstand der GEW Hamburg: „die Strukturen… arbeiten weiter“. Dass es auf dem Papier weiterhin irgendwelche Studis in Hamburg gibt, wird wohl niemand bezweifeln. Das namentlich genannte Leitungsteam ist jedoch zurückgetreten. Die Erklärung auf der Seite der GEW Hamburg liest sich als ein formalistisches Herumgerede, ein argumentatives Ablenkungsmanöver. Auf die Diskussion, die notwendig wäre, will man sich offenbar gar nicht erst einlassen. Wer an der Aufklärung der Vergangenheit ernsthaft interessiert ist, argumentiert anders.

In einem ausführlichen Bericht schildert nun die tageszeitung (28.09.2017) den Stand der Dinge in Hamburg. Unter dem Titel „Abbruch der Beziehungen“ erläutert der Bericht sowohl die Forderung des BASS nach Aufklärung wie auch die gegenwärtige offizielle Linie der Gesamtorganisation GEW: Wo sich Landes- oder Bundesvorstände derzeit gegenüber der Öffentlichkeit in Sachen Max Traeger äußern, so läuft dies derzeit oft auf eine obskure Apologie Max Traegers hinaus. Sie folgen damit dem Bild problematischen Bild einer Auftragsforschung, die die GEW bei Hans Peter de Lorent, dem ehemaligen Landesvorsitzenden der GEW Hamburg, bestellt hat. Der im Artikel zitierte Fredrik Dehnerdt vom Landesvorstand der GEW Hamburg bildet da keine Ausnahme. Er erklärt es kurzer Hand für „widerlegt“ dass Traeger in irgendeiner Form als Mitläufer bezeichnet werden dürfe. Den Umstand, dass das aktive Leitungsteam der GEW-Studis zurückgetreten ist, kommentiert Dehnerdt mit „business as usual“.

Während die offizielle Linie an der Apologie Traegers bislang festhält, scheint es an der Basis an immer mehr Ecken zu brodeln. Auch ein ganzer Landesverband – die GEW Hessen – unterstützt bereits die Forderung nach Umbenennung der GEW-eigenen Traeger-Stiftung.

Geschichte des Beltz Verlages wird aufgearbeitet

Mit Unterstützung des Beltz Verlages wird nun auch das Wirken des pädagogischen Fachverlags im Nationalsozialismus aufgearbeitet. Ein neues Projekt der Forschungsstelle NS-Pädagogik unter der Leitung von Benjamin Ortmeyer an der Goethe-Universität Frankfurt/Main wird sich der Geschichte des Verlags im Zeitraum von 1932 bis 1945 widmen. In der Presseberichterstattung unterstrich Nils Rübelmann von Seiten der Verlegerfamilie die Relevanz der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wie folgt:

Es liegt im besonderen Interesse der nachfolgenden Generation des traditionsreichen Familienunternehmens, auch dieses Kapitel aufzuarbeiten. Aufklärung ist ein Wert an sich, es geht darum, aus der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft zu verbessern.

Auch der Briefverkehr und schriftliche Austausch mit dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) wird im Rahmen des Forschungsprojektes gesichtet werden. Für die Beschäftigung mit dem Wirken der Lehrkräfte im Nationalsozialismus dürfte sich so aufschlussreiches Material ergeben, das auch für die Gründungsgeschichte der GEW interessant sein könnte. Die Präsentation der Ergebnisse des Forschungsprojekts, mit der ab Frühjahr 2018 zu rechnen ist, darf man jedenfalls gespannt erwarten.

Vortragsaufzeichnungen online

Tagungsflyer der VeranstalterInnen

Unter dem Titel „Antifaschistische Pädagogik“ fand Ende April in Heidelberg eine von der Gruppe Akut plus C organisierte und von der GEW und verschiedenen anderen Gruppen mit unterstützte Tagung statt, die ein breit angelegtes Vortragsprogamm über die pädagogische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Faschismus bot. Auch die Rolle der Lehrkräfte im Nationalsozialismus und Fragen gewerkschaftlicher Bildungsarbeit wurden bei der gut besuchten Veranstaltung besprochen.

Die Audioaufzeichnungen der Vorträge wurden nun von den VeranstalterInnen online zugängig gemacht. Unter anderem finden sich auf deren Homepage Aufnahmen zu Themenbereichen „von der historisierenden Bildung zum Umgang mit rechten Einstellungen am Beispiel gewerkschaftlicher Bildungsarbeit“ (Christos Kirizakis), auf der Tagung wurde außerdem über „Politische Bildung seit 1945 und der Umgang mit der NS-Zeit“ (Katharina Rhein) und über „Pädagogik im Nationalsozialismus“ (Benjamin Ortmeyer) referiert. Im Verlauf der Veranstaltung wurde auch die aktuelle GEW-Debatte um Max Traeger erwähnt.

Baden-Württemberg erforscht Rolle der Beamten zur NS-Zeit

Im Rahmen eines eigens eingerichteten Forschungsprojekts hat das Land Baden-Württemberg jüngst die Rolle der Ministerien und des Beamtenapparats erforschen lassen. Entgegen der in der Nachkriegszeit verbreiteten Legende, dass Beamtinnen und Beamte sich neutral oder gar widerständig verhalten hätten, kommt die Forschungsgruppe zu anderen Ergebnissen. Edgar Wolfrum, Historiker von der Universität Heidelberg, erklärt bei deren Vorstellung:

Es waren nicht nur Mitläufer, viele waren aufgrund ihrer Tradition, aufgrund der Vorprägung tatsächlich konservativ, antisemitisch eingestellt, für die es zum großen Teil jedenfalls – nicht für alle, aber zum großen Teil – ein Herzensanliegen war im Nationalsozialismus mitzumachen.

Um eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema anzustoßen, gibt es eine Projekthomepage. Neben Quellenmaterialien und erklärenden Texten zur Verwendung im Schulunterricht werden hier Ergebnisse der Forschungsgruppe vorgestellt und regelmäßige Blogbeiträge zum Thema veröffentlicht. Im Sinne eines Public History Projekts ruft die Homepage unter dem Stichwort explizit zur Beteiligung durch Hinweise, Dokumente und andere Beiträge auf.

Die im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) organisierten Beamtinnen und Beamten waren eine wesentliche Stütze des NS-Regimes. Als Nachfolgeorganisiation der Lehrervereine sollte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf mehreren Ebenen aktiv an einer solchen Auseinandersetzung beteiligen. Einerseits können relevante Hinweise von Lehrkräften gezielt an die Forschungsgruppe weitergegeben und die Materialien für die Arbeit in der Schule und in Bildungsseminaren genutzt werden. Andererseits sollte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg auf Landesebene Archivmaterialien zugängig machen, um eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Beamtenschaft in Lehrervereinen, NSLB und GEW der Nachkriegszeit mit wichtigen Hinweisen zu unterstützen.