Die Debatte muss offen geführt werden!

Eine Reihe von Presseartikeln hat Ende März die Auseinandersetzung um Max Traeger und die Geschichte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aufgegriffen. Dass die Auseinandersetzung nicht nur für die GEW von Interesse ist, wird dabei mehrfach unterstrichen:

– Im Artikel „Der Namensgeber und die Nazis“ leuchtet die Jungle World (15.03.2018) den Streit in der GEW aus und weist darauf hin, dass das abschließende Urteil in dieser Sache „auch für andere Namensgebungen in Deutschland richtungsweisend sein“ könnte.
– Auch der Text „Mitläufer oder nicht“ (Neues Deutschland, 31.03.2018) unterstreicht „Der Streit in der GEW hat Bedeutung über das Gewerkschaftsleben hinaus„.
– Von einer „Zeitenwende“ spricht auch ein Kommentar von Jürgen Amendt (31.03.2018): Nur weil die Benennung nach Max Traeger in der Vergangenheit sinnvoll erschien, heißt dies eben noch lange nicht, dass sie dies auch heute noch so sein muss.
– Dass die Debatte bislang noch zu wenig medial beachtet wurde beklagt wiederum Lena Tietgen (31.03.2018).

An der geringen Beachtung der Debatte hat auch das Verhalten des Bundesvorstands seinen Anteil: Über die Arbeit der vom Geschäftsführenden Vorstand eingesetzten Historikerkommission zur Geschichte der GEW ist nämlich selbst den meisten Mitgliedern der GEW nichts bekannt. Seit die Kommission ihre Arbeit aufgenommen hat, hat sich die Bundes-GEW zum Thema nicht mehr groß öffentlich geäußert. Auch für JournalistInnen gab es offenbar weder seitens der Boeckler-Stiftung noch seitens der Bundes-GEW zum aktuellen Arbeitsstand Kommentare. Geschichtswerkstätten, wie sie die GEW versprochen hatte, fanden bislang auch keine statt. Dass dem so ist, mag verschiedene Ursachen haben: Entweder geht man nicht davon aus, dass es zur NS-Geschichte der GEW groß neue Erkenntnisse gibt, will das Thema unter dem Tisch halten oder man ist bereits fündig geworden. Ganz gleich, was davon zutrifft, eines scheinen große Teile der GEW bislang nicht begriffen zu haben: Die Auseinandersetzung hat eine gesellschaftliche Bedeutung. Eben deshalb müsste die Debatte gewerkschaftsoffen und gesellschaftsöffentlich geführt werden.

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