Vortragsaufzeichnungen online

Tagungsflyer der VeranstalterInnen

Unter dem Titel „Antifaschistische Pädagogik“ fand Ende April in Heidelberg eine von der Gruppe Akut plus C organisierte und von der GEW und verschiedenen anderen Gruppen mit unterstützte Tagung statt, die ein breit angelegtes Vortragsprogamm über die pädagogische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und Faschismus bot. Auch die Rolle der Lehrkräfte im Nationalsozialismus und Fragen gewerkschaftlicher Bildungsarbeit wurden bei der gut besuchten Veranstaltung besprochen.

Die Audioaufzeichnungen der Vorträge wurden nun von den VeranstalterInnen online zugängig gemacht. Unter anderem finden sich auf deren Homepage Aufnahmen zu Themenbereichen „von der historisierenden Bildung zum Umgang mit rechten Einstellungen am Beispiel gewerkschaftlicher Bildungsarbeit“ (Christos Kirizakis), auf der Tagung wurde außerdem über „Politische Bildung seit 1945 und der Umgang mit der NS-Zeit“ (Katharina Rhein) und über „Pädagogik im Nationalsozialismus“ (Benjamin Ortmeyer) referiert. Im Verlauf der Veranstaltung wurde auch die aktuelle GEW-Debatte um Max Traeger erwähnt.

Baden-Württemberg erforscht Rolle der Beamten zur NS-Zeit

Im Rahmen eines eigens eingerichteten Forschungsprojekts hat das Land Baden-Württemberg jüngst die Rolle der Ministerien und des Beamtenapparats erforschen lassen. Entgegen der in der Nachkriegszeit verbreiteten Legende, dass Beamtinnen und Beamte sich neutral oder gar widerständig verhalten hätten, kommt die Forschungsgruppe zu anderen Ergebnissen. Edgar Wolfrum, Historiker von der Universität Heidelberg, erklärt bei deren Vorstellung:

Es waren nicht nur Mitläufer, viele waren aufgrund ihrer Tradition, aufgrund der Vorprägung tatsächlich konservativ, antisemitisch eingestellt, für die es zum großen Teil jedenfalls – nicht für alle, aber zum großen Teil – ein Herzensanliegen war im Nationalsozialismus mitzumachen.

Um eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema anzustoßen, gibt es eine Projekthomepage. Neben Quellenmaterialien und erklärenden Texten zur Verwendung im Schulunterricht werden hier Ergebnisse der Forschungsgruppe vorgestellt und regelmäßige Blogbeiträge zum Thema veröffentlicht. Im Sinne eines Public History Projekts ruft die Homepage unter dem Stichwort explizit zur Beteiligung durch Hinweise, Dokumente und andere Beiträge auf.

Die im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) organisierten Beamtinnen und Beamten waren eine wesentliche Stütze des NS-Regimes. Als Nachfolgeorganisiation der Lehrervereine sollte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf mehreren Ebenen aktiv an einer solchen Auseinandersetzung beteiligen. Einerseits können relevante Hinweise von Lehrkräften gezielt an die Forschungsgruppe weitergegeben und die Materialien für die Arbeit in der Schule und in Bildungsseminaren genutzt werden. Andererseits sollte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg auf Landesebene Archivmaterialien zugängig machen, um eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Beamtenschaft in Lehrervereinen, NSLB und GEW der Nachkriegszeit mit wichtigen Hinweisen zu unterstützen.

Wer kommt in der „Mitmach-Gewerkschaft“ zu Wort?

„Wer kommt in der „Mitmach-Gewerkschaft“ zu Wort?“ fragen sich Ute Schmitt und Wolfgang Häberle. Als langjährige Mitglieder der GEW Bayern haben sie mit einer ausführlichen Mitgliederstellungnahme auf die aktuellen Entwicklungen in der Auseinandersetzung um Max Traeger und die Aufarbeitung der Geschichte der GEW reagiert. Der Bitte um Veröffentlichung kommen wir gerne nach. Am Ende ihrer ausführlichen Stellungnahme ziehen sie u.a. das folgende Fazit:

Für am Thema interessierte Mitglieder ist es nicht nachvollziehbar, wenn der Hauptvorstand der GEW und die E&W als bundesweite Mitgliederzeitschrift sich nun, nachdem Fakten auf den Tisch kamen und endlich Konsequenzen gefordert werden, sich dem massiv entgegen stellen und gar noch jene diffamieren und ausgrenzen, die an wirklicher Aufklärung arbeiten. Der Anspruch der Aufklärung steht im diametralen Gegensatz zur feststellbaren Tendenz, mit allen Mitteln zu verhindern, dass in der GEW Positionen Raum finden oder auch nur publik gemacht werden, welche der Pro-Traeger-Position des Hauptvorstands widersprechen.

Jedes einzelne Mitglied kann in und mit der GEW eine Menge bewegen. Das setzt aber voraus, dass es von „unten“ nach „oben“ Raum für Engagement und Auseinandersetzung gibt. Der produktive Dialog – und wenn es sein muss – auch der Streit nach innen und außen, dies ist der Weg, um in allen relevanten Fragen auf der Höhe der Zeit zu bleiben, Fehler zu korrigieren und die Erstarrung in Verkrustungen zu vermeiden. […]

Wir appellieren an alle, denen an einer konstruktiven Vorwärtsentwicklung der GEW gelegen ist, sich dafür einzusetzen, dass in der GEW auf allen Ebenen und in allen Organen in demokratisch-konstruktiver Weise diskutiert und gearbeitet werden kann – und dies gerade auch im Hinblick auf die eigene Vergangenheit der GEW insgesamt und sehr konkret auch in jedem Landesverband und vor Ort.

Ute Schmitt und Wolfgang Häberle, langjährige Mitglieder der GEW Bayern

Juli 2017

Max Traeger dankbar sein?

…denkt sich die GEW Hamburg (Veranstaltungsflyer)

„Man muss Traeger dankbar sein…“ befindet die GEW Hamburg. Im Curioshaus stellte Hans-Peter de Lorent sein Buch „Max Traeger – Biografie des ersten Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ vor.

Eine ausführliche Pressemitteilung der Forschungsstelle NS-Pädagogik (26.Juni 2017) kommentiert die Buchvorstellung. Als ergänzendes Material dazu finden sich hier die Erläuterungen zur „Persilscheinlogik“.

Den angehängten Materialien lässt sich zudem entnehmen, dass die GEW-Bund Akteneinsicht verweigert und die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der GEW behindert.