Baden-Württemberg erforscht Rolle der Beamten zur NS-Zeit

Im Rahmen eines eigens eingerichteten Forschungsprojekts hat das Land Baden-Württemberg jüngst die Rolle der Ministerien und des Beamtenapparats erforschen lassen. Entgegen der in der Nachkriegszeit verbreiteten Legende, dass Beamtinnen und Beamte sich neutral oder gar widerständig verhalten hätten, kommt die Forschungsgruppe zu anderen Ergebnissen. Edgar Wolfrum, Historiker von der Universität Heidelberg, erklärt bei deren Vorstellung:

Es waren nicht nur Mitläufer, viele waren aufgrund ihrer Tradition, aufgrund der Vorprägung tatsächlich konservativ, antisemitisch eingestellt, für die es zum großen Teil jedenfalls – nicht für alle, aber zum großen Teil – ein Herzensanliegen war im Nationalsozialismus mitzumachen.

Um eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema anzustoßen, gibt es eine Projekthomepage. Neben Quellenmaterialien und erklärenden Texten zur Verwendung im Schulunterricht werden hier Ergebnisse der Forschungsgruppe vorgestellt und regelmäßige Blogbeiträge zum Thema veröffentlicht. Im Sinne eines Public History Projekts ruft die Homepage unter dem Stichwort explizit zur Beteiligung durch Hinweise, Dokumente und andere Beiträge auf.

Die im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) organisierten Beamtinnen und Beamten waren eine wesentliche Stütze des NS-Regimes. Als Nachfolgeorganisiation der Lehrervereine sollte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft auf mehreren Ebenen aktiv an einer solchen Auseinandersetzung beteiligen. Einerseits können relevante Hinweise von Lehrkräften gezielt an die Forschungsgruppe weitergegeben und die Materialien für die Arbeit in der Schule und in Bildungsseminaren genutzt werden. Andererseits sollte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg auf Landesebene Archivmaterialien zugängig machen, um eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Beamtenschaft in Lehrervereinen, NSLB und GEW der Nachkriegszeit mit wichtigen Hinweisen zu unterstützen.