„Lieber Nestbeschmutzung als Reinewaschen“

Auch in den Landesverbänden gestaltet sich die Auseinandersetzung um eine Aufarbeitung der Vergangenheit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft überaus zäh. Dies gilt zumal in Hamburg, dem Landesverband, in dem Max Traeger während des Nationalsozialismus und danach beheimatet war. Als Ergebnis einer obskuren Apologie Max Traegers und Schikane gegenüber den GEW-Studis erklärt das aktive Leitungsteam der GEW-Studis nun auf seinem Blog (Eintrag vom 25.09.2017), dass es sich entschieden hat „sämtliche Tätigkeiten in der GEW einzustellen“. Der Beitrag verlinkt auf eine ausführliche Erklärung, die das Leitungsteam dazu abgegeben hat und die sich auf dem Blog nachlesen lässt.

Auf den Rücktritt des Leitungsteams, die ausführliche Erklärung und die Forderung nach einer inhaltlichen Debatte erklärt der Vorstand der GEW Hamburg: „die Strukturen… arbeiten weiter“. Dass es auf dem Papier weiterhin irgendwelche Studis in Hamburg gibt, wird wohl niemand bezweifeln. Das namentlich genannte Leitungsteam ist jedoch zurückgetreten. Die Erklärung auf der Seite der GEW Hamburg liest sich als ein formalistisches Herumgerede, ein argumentatives Ablenkungsmanöver. Auf die Diskussion, die notwendig wäre, will man sich offenbar gar nicht erst einlassen. Wer an der Aufklärung der Vergangenheit ernsthaft interessiert ist, argumentiert anders.

In einem ausführlichen Bericht schildert nun die tageszeitung (28.09.2017) den Stand der Dinge in Hamburg. Unter dem Titel „Abbruch der Beziehungen“ erläutert der Bericht sowohl die Forderung des BASS nach Aufklärung wie auch die gegenwärtige offizielle Linie der Gesamtorganisation GEW: Wo sich Landes- oder Bundesvorstände derzeit gegenüber der Öffentlichkeit in Sachen Max Traeger äußern, so läuft dies derzeit oft auf eine obskure Apologie Max Traegers hinaus. Sie folgen damit dem Bild problematischen Bild einer Auftragsforschung, die die GEW bei Hans Peter de Lorent, dem ehemaligen Landesvorsitzenden der GEW Hamburg, bestellt hat. Der im Artikel zitierte Fredrik Dehnerdt vom Landesvorstand der GEW Hamburg bildet da keine Ausnahme. Er erklärt es kurzer Hand für „widerlegt“ dass Traeger in irgendeiner Form als Mitläufer bezeichnet werden dürfe. Den Umstand, dass das aktive Leitungsteam der GEW-Studis zurückgetreten ist, kommentiert Dehnerdt mit „business as usual“.

Während die offizielle Linie an der Apologie Traegers bislang festhält, scheint es an der Basis an immer mehr Ecken zu brodeln. Auch ein ganzer Landesverband – die GEW Hessen – unterstützt bereits die Forderung nach Umbenennung der GEW-eigenen Traeger-Stiftung.

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