Kontroverse um eingesetzte Aufarbeitungskommission

Der Streit um Max Traeger geht in die nächste Runde. Der neuste Coup der Gewerkschaftsspitze: Bei der Hans-Boeckler-Stiftung wurde zur Aufarbeitung der Causa Traeger im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft eine Projektgruppe „Gewerkschaftsgeschichte“ eingesetzt. In der vom GEW-Bundesvorstand eingesetzten Gruppe ist kein einziger Traeger-Kritiker vertreten. Von den Verteidigern Traegers hat man dagegen gleich mehrere in die Kommission gesetzt. Einer der lautesten unter den Apologeten, Fredrik Dehnerdt vom Hamburger Landesvorstand, soll die Sitzung der kuriosen Kommission eröffnen.

Mit einer hochnotpeinlichen Aktion wie dieser beweist der Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft einmal mehr, wie wenig Interesse man an einer kritischen Debatte über Kontinuitäten zwischen dem im Nationalsozialismus bestehenden NS-Lehrerbund und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat. Eine offene und öffentliche Debatte über die gewerkschaftseigene Geschichtsschreibung wird diese aber kaum aufhalten können – sie läuft längst.

Die Jüdische Allgemeine berichtete in ihrer Ausgabe vom 16.11.2017 ausführlich über die laufende Kontroverse in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Der gut recherchierte Artikel gibt den Leserinnen und Lesern einen Überblick zur Debatte während der öffentlichen Veranstaltung in Frankfurt. Das eingangs erwähnte Statement des Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik kann hier nachgehört werden. Aber auch die aktuelle Auseinandersetzung um die eingesetzte Kommission kommt im Artikel zur Sprache. Während sich die Boeckler-Stiftung auf die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft als Geldgeberin beruft und zur Auskunft gibt, dass nur WissenschaftlerInnen, die selbst nicht an der Kontroverse beteiligt seien, angefragt wurden, gibt es von Seiten der GEW-Studierenden eine deutliche Kritik:

Der BASS kritisiert hingegen die Zusammensetzung der Kommission, in die zwar Gewerkschaftsfunktionäre berufen worden seien, die ein Interesse an der Verteidigung Max Traegers hätten, aber keine Kritiker, die die Debatte angestoßen hätten.

 

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