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In der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) organisieren sich neben Beschäftigten aus dem Bildungsbereich auch zahlreiche Studierende. Gemeinsam mit den 270.000 anderen Mitgliedern der GEW aus allen Statusgruppen kämpfen wir für eine Bildung, die sozial und demokratisch ist. Der Bundesausschuss der Studentinnen und Studenten der GEW trägt die Positionen der GEW-Studis in die Gewerkschaft und nach außen.

Der offene Brief an den Hauptvorstand und die Mitglieder der GEW, mit dem wir die Umbenennung der Max-Träger-Stiftung fordern, wurde unter anderem durch eine Neuerscheinung zur Geschichte des Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) ausgelöst: In dem Buch „Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933–1945“ von Saskia Müller und Benjamin Ortmeyer werden nach der Analyse der judenfeindlichen und rassistischen Propaganda des NSLB anhand von Max Traeger auch Fragen der Kontinuitäten zwischen NSLB und der GEW behandelt.

Warum ein offener Brief?

Bei Fragen nach der Kontinuitäten zwischen NSLB und GEW handelt es sich um ein wesentliches Kapitel der Auseinandersetzung um das Nachleben des NS in den demokratischen Strukturen der BRD. Dieses Kapitel scheint uns von einer besonderen Bedeutung zu sein und es wurde bislang offenbar nur unzureichend bearbeitet. So kommen bis heute in den gängigen Erzählungen vieler Gewerkschaftsfunktionär_Innen solche Kontinuitäten schlicht nicht vor und zum Teil werden sie sogar aktiv bestritten. Demgegenüber häufen sich in den letzten Jahren Beiträge, die dezidiert auf eine solche Auseinandersetzung hinweisen. Jenseits der gewähnten Sicherheit, ohnehin auf der richtigen Seite zu stehen, gestaltet sich diese Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als eine, die riskant ist und auch vor Verstrickungen keinen Halt macht.

Eine Auseinandersetzung mit diesem historischen Kapitel ist aus unserer Sicht wichtig und begrüßenswert. Ein Teil der Debattenbeiträge und Initiativen kommt dabei auch von jungen Gewerkschaftsmitgliedern – und dies nicht rein zufällig. Die Vergangenheit unserer Gesellschaft ist auch für sie ein Thema. Wenn sich die Toten auch nicht mehr wecken lassen, so drängt das vergangene Unrecht doch notwendig in jeder Generation immer wieder zur neuen Auseinandersetzung. Die Vergangenheit ist deshalb auch und gerade für uns: abgeschlossen und nie ganz abzuschließen.

Wir begrüßen die Veröffentlichung Saskia Müller und Benjamin Ortmeyer, die Auseinandersetzung um Max Träger und die damit aufgeworfene Frage nach Kontinuitäten zwischen NSLB und GEW. Wir möchten in dieser Sache nicht nur einen Beschluss des Hauptvorstands der GEW erreichen, sondern eine breite Debatte befördern. Aus diesem Grund haben wir das Mittel das offenen Briefes gewählt. Wir wenden uns damit nicht nur an den GEW-Hauptvorstand, sondern wollen das Thema in eine breite öffentliche Auseinandersetzung führen – in der GEW und darüber hinaus.

Hintergrundinformationen und Hinweise

Aufgrund eines Artikels in der Zeitung taz entstand der Eindruck, dass das Haus Ro 19 immernoch der GEW-Hamburg gehöre. Tatsächlich hat die GEW-Hamburg das Haus 2013 verkauft (Link zur GEW-Hamburg). Eine Klarstellung dazu findet sich in der aktualisierten Version des Artikels. Dies ist eine wichtige Klarstellung. An der Notwendigkeit sich mit Max Traeger auseinanderzusetzen, ändert sich mit dieser Klarstellung jedoch nichts. [10.10.2016]

Die Forderung nach einer Auseinandersetzung mit der Geschichte der GEW ist keineswegs gänzlich neu. Sie wird jedenfalls nicht das erste mal in die GEW eingebracht. Wir dokumentieren dazu zwei Briefe, die Benjamin Ortmeyer 1998 und 2008 (Langversion) an den Hauptvorstand verfasst hat. [29.10.2016]

Der Deutschlandfunk hat einen aktuellen Radiobeitrag zur Auseinandersetzung mit der Rolle der Lehrkräfte im Nationalsozialismus gesendet und dabei auch die Frage nach der Aufarbeitung in der GEW gestellt. [18.12.2016]

Die Videoaufzeichnung der Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts vom 25.01.2017 kann über den entsprechenden Link abgerufen werden. [04.02.2017] Die Hessische Lehrerzeitung berichtet zudem in ihrer Märzausgabe über die Veranstaltung und die laufende Debatte.

Die GEW Hessen begleitet die laufende Debatte kritisch. Dabei unterstützt der Landesverband den Vorschlag, die Max-Traeger-Stiftung umgehend umzubenennen. (Vgl. Artikel der HLZ 03/2017).[22.03.2017]